"Luthers Solis" im Fokus der Künstlerin Ulrike Hofer

Ocker — ausgerechnet Ocker ist die Grundfarbe des Triptychons Ihrer Kirche, dies schreibt Ulrike Hofer zur Vorstellung ihrer Kalligrafien beim Gottesdienst. Ocker war jahrelang nicht unbedingt meine Lieblingsfarbe. Sie blieb immer in meinem Farbkasten und den Farbkasten unserer Kinder fast unberührt. Schauen Sie doch mal in den Farbkasten Ihrer Kinder, ich möchte behaupten, da finden Sie ein — mehr oder eher weniger gebrauchtes — Farbtöpfchen.

Vor einigen Jahren habe ich Ocker sehr zu schätzen gelernt. Wie in der Kalligrafie oft üblich, habe ich viele Jahre mit Schwarz und Grau gearbeitet, maximal etwas Rot kam ab und zu zum Einsatz. Irgendwann setzte ich Ocker zu diesen dunklen Farben und bemerkte, wie angenehm dieser goldfarbene Ton auf dem Papier leuchtet, vor allem, wenn man etwas gelb beimischt... Seither fehlt lichter Ocker und Goldocker nie in meiner Farbkarte. Doch jetzt zum kleinen Spaziergang auf der Leinwand:

Anfangs war die Aufteilung der vier Soli auf drei Bildteile eine kleine Herausforderung. Zumal es wichtig ist, die drei Bildteile nicht separat stehen zu lassen, sondern dem Ganzen eine Einheit zu geben. Die kreisförmigen Ringe um das Solus

Christus sollen Jesus als wahren Mensch und wahren Gott in seiner allumfassenden Macht, Gnade, Barmherzigkeit und Liebe zu uns Menschen andeuten. Die Schriftart ist ganz bewusst im Kontrast zu den drei geschmeidigen Schriftzügen im unteren Bereich gehalten. Jesus Christus wurde etwas eckig, kantig und ungleichmäßig geschrieben. Jesus war kein Mensch wie wir. Er war und ist Gottes Sohn. Er deckte auf, eckte an, weckte auf, forderte auf, legte mit seinen Gleichnissen Ecksteine für unser Leben — damals wie heute. „Solus Christus" wurde deshalb in einem durchscheinenden Weiß in die goldenen Kreise integriert. Weiß steht für die Reinheit des Heiligen Geistes. Durchdringt wird die Schrift durch den goldenen Hintergrund, der für die Göttlichkeit steht. Der braune, erdfarbene Schatten soll an Jesus als Menschen erinnern. Die deutsche Übersetzung „Allein Jesus Christus" wurde hingegen in einem glänzenden Kupfer aufgebracht. Die Lutherrose steht ganz leicht ebenfalls wie Solus Christus in einem golddurchscheinenden Weiß. Luther war es wichtig, Gottes Wort so klar und unverfälscht wie möglich wiederzugeben.

Im selben Bildteil steht das „Sola scriptura — Allein die Bibel". Luther kam zu der Erkenntnis, nur was die Menschen in ihrer eigenen Sprache lesen und verstehen können, können sie für ihr Leben anwenden. Durch die Übersetzung Luthers und die Vervielfältigung des Buchdrucks durch Gutenberg ist es seit 500 Jahren möglich, dass alle Menschen Zugang zum Wort Gottes haben.

Sola gratia, sola fide und sola scriptura stehen in großen weißen Schmuckbuchstaben auf den drei Bildteilen — weiß leuchten sie hervor, klar stehen sie da, so klar und aufrecht, wie Luther sie gemeint hat. Das hoffnungsvolle Grün der Schatten um die weißen Buchstaben soll dies verdeutlichen: Jeder ist eingeladen, immer wieder neu mit Christus anzufangen, durch das Wort Gottes und einem unerschrockenen Glauben an seine göttliche Gnade. Die deutschen

Ubersetzungen stehen jeweils in tiefbrauner warmer Farbe unter den drei lateinischen Soli. Braun steht für die

Bodenständigkeit der Botschaft Martin Luthers an die Menschen dieser Erde.

„Unterschreiben" ließ ich Herrn Luther im Bildteil „Sola fide". Luther hat in seiner Zeit viel riskiert für seinen Glauben und ich denke, es würde ihm gefallen, wenn Sie in Gedanken, an derselben Stelle — allein aus Glauben — ebenfalls unterschreiben würden.